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Teilhabe statt Fürsorge: Mädchen mit Behinderungen werden Jugendleiterinnen
03. Aug 2005Kiel. Weg von ausgrenzender Fürsorge - hin zu uneingeschränkter Teilhabe. Nicht mehr abwertendes Mitleid, sondern völlige Gleichstellung. Dies sind Forderungen im Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen und Ziele eines bundesweit einmaligen Modellprojektes zur Ausbildung junger Frauen mit geistigen Behinderungen zur Jugendgruppenleiterin.
Zehn Teilnehmerinnen zwischen 15 und 25 Jahren aus dem Raum Lübeck
nahmen vom 18.-23.7.2003 in der Jugendbildungsstätte "Haus Rothfos" des
Landesjugendringes (LJR) Schleswig-Holstein erfolgreich an einer
Juleica-Schulung teil. Der Landesjugendring entwickelte gemeinsam mit
mixed pickles, dem Verein für Mädchen mit und ohne Behinderungen, diese
neue Konzeption. Die Ausbildungsinhalte unterscheiden sich nicht von
den sonst üblichen Grundkursen der Verbände und Kreisjugendringe.
In dieser Woche erarbeiteten sich die Teilnehmerinnen in
theoretischen Einheiten und Rollenspielen, die Fähigkeit Spiele für
Kindergruppen anzuleiten, andere Jugendliche zu motivieren und ihre
eigene Arbeit zu reflektieren. Auch die mit der Gruppenleitung
verbundenen Rechtsfragen wurden erörtert. An einer Stelle ging es bei
der Ausbildung zur Jugendleiterin allerdings doch ein wenig anders zu.
Es galt die unterschiedlichen Behinderungen der Teilnehmerinnen, wie
z.B. Lese- und Schreibschwächen in der Vorbereitung zu berücksichtigen.
So wurden übliche Materialien in leichte und verständliche Sprache
übersetzt und alle Arbeitsmaterialien auf CD gesprochen.
Sobald die Teilnehmerinnen ihren Erste Hilfe Kurs
absolviert haben, können sie die JugendleiterInnen-Card beantragen und
beim Verein mixed pickles ehrenamtlich arbeiten. Hierfür liegen in
Lübeck bereits neue Konzepte für die Freizeitarbeit beim Verein mixed
pickles vor, in denen die Absolventinnen als Jugendleiterinnen
eingeplant sind. Sie können damit künftig auch Verantwortung für andere
übernehmen - die Chance zum Wechsel
von der Betreuten zur Betreuerin. Auf die Frage, warum sie
Jugendleiterin werden möchte, antwortete eine Teilnehmerin: "weil ich
Kindern zeigen möchte, was ich versäumt habe, als ich klein war". Eine
weitere sagte, "weil ich gerne den Kindern zuhören möchte, wenn sie
Probleme haben".
Der Landesjugendring Schleswig-Holstein wird das Modellprojekt am
Donnerstag, 25. September in einem Mözener Gespräch im "Haus Rothfos"
der Öffentlichkeit vorstellen. Titel des Abends: Jugendliche mit
Behinderungen - Subjekte oder Objekte der Jugendarbeit. Weitere
Informationen zu dem Grundkurs und dem Mözener Gespräch gibt es bei
Kathrin Ziese von mixed pickles 0451/7021640 und Sylvia Rohlfs,
Mädchen- und Frauenreferentin des Landesjugendrings 0431/8009844.
Redaktion
Sylvia Rohlfs
24.07.03


